2019 – Ich bleibe!

Ich habe kurz vor Weihnachten in den meisten Sozialen Netzwerken verkündet, dass ich über die Feiertage alle Apps von meinem Handy löschen und auch bei WhatsApp nicht erreichbar sein werde. Der Grund ist einfach: ich wollte weniger Anreiz haben, aufs Handy gucken zu müssen.
Außerdem wollte ich ausprobieren, wie stark ich die Netzwerke eigentlich vermisse. Das Resultat: kaum bis wenig. Also könnte ich sie doch eigentlich für immer verlassen…

Kurzfassung (tl;dr): Plattformen wie Facebook waren bislang den „normalen“ Menschen vorbehalten und das Aufgeben aufgrund von Datenangst ist problematisch, da es Menschen gibt, die nur durch diese Plattformen eine Stimme erhalten.

[Inhaltswarnung] Ich bin noch nicht gut im Schreiben und Erklären. Ich benutze Normal zur Abgrenzung gegen Minderheiten. Das ist nicht gut, ich möchte damit aber meinen Standpunkt klarmachen. Außerdem ist der Text wahrscheinlich noch schlecht gegendert.

Für Facebook war 2018 ein sehr schlechtes Jahr. Netzpolitik.org hat in einem Artikel alle größeren Skandale aus diesem Jahr zusammengestellt, aber da geht es vornehmlich um Facebooks Umgang mit dem Datenschutz. Dass Daten zwischen Facebook, Instagram und WhatsApp ausgetauscht werden, sollte allgemein bekannt sein.
In dem Artikel wird am Ende aber auch noch erwähnt, was für Auswirkungen die Facebooksche Politik des Verstärkens der lautesten Meinung hat: indirekte Beteiligung an Wahlmanipulationen und Völkermorden, durch Nichtstun oder das Von-sich-weisen von Verantwortung.

Twitter, Instagram und YouTube müssen sich nicht erst seit diesem Jahr vorwerfen lassen, dass die Plattformen ebenfalls reißerische Inhalte fördern (das ist das Geschäftmodell: Aufmerksamkeit generieren, Geld, Sex, Hass. Hier ein Link, der Twitters Situation 2018 okayish beschreibt. Hier für Facebook.).

Was mir bei all diesen Skandalen auffällt, ist der Fokus auf Daten und Datenschutz.
Klar, auch in Deutschland wird über „Hass im Netz“ geredet und es gibt ein neues Netzwerkdurchsetzungsgesetz und auch die DSGVO hat Vorteile, aber versteht die jemand? Die DSGVO scheint die meisten Menschen zu nerven. Datenschutz ist wichtig, aber das ist eigentlich ein Luxusproblem, wenn man sich das generelle Verhalten auf diesen Plattformen anguckt.
Ich habe vor kurzem eine Studie gesehen, wonach die Mehrheit der Facebook-Nutzer*innen aus Minderheiten ihre neue stärkere Stimme sehr schätzen. Im Gegensatz dazu stimmen der Aussage „Facebook lenkt von den wichtigen Problemen ab“ mehr Nutzer*innen zu, die man als klassisch privilegiert bezeichnen würde: weiß und „normal“ im Sinne von „diese starke Stimme war für mich schon immer da“.
(Muss den Link dazu raussuchen)

Ich bin in diesem Jahr ein paar mehr intersektionalen, feministischen Menschen bei Twitter, Facebook, Instagram gefolgt und es ist erschreckend, was die so berichten. Wie schnell ihre Beiträge gemeldet und ihre Accounts gesperrt werden. Sicher, das passiert bei rassistischen und neu-rechten/alt-right Accounts auch, aber auf deren Seite werden keine neuen Sachen gesagt. Sie verbreiten die gleiche Scheiße wie seit Jahrzehnten, nur sind auf der anderen Seite plötzlich Menschen da, die auf diesen Plattformen genauso angehört werden können. Und die zeigen auf die „normalen“ Dinge und weisen darauf hin, wie problematisch das alles ist. Und werden dafür attackiert (siehe „Political Correctness“, „Genderwahn“, „Social Justice“ – alles Begriffe, die den Kampf gegen das problematische „Normale“ diskreditieren sollen).

Ich komme jetzt mal zum Punkt: als Mitglied dieser „normalen“ Gruppe (jetzt 40 Jahre alt, immer noch unzweifelhaft männlich und sehr sicher heterosexuell) bin ich hyperprivilegiert. Mir fehlt vielleicht die Reichweite, aber auch ich kann Minderheiten verstärken. Ich habe dazu auch das eigentlich nötige Hintergrundwissen, wie man sich auf allen diesen Plattformen bewegen sollte, ohne die Kontrolle über seine Daten zu verlieren.

Die Lösung dazu kann nicht sein, die Plattformen aufzugeben und dort den Normalzustand zurückzulassen. Privilegierte Menschen brauchen dort keine Safe Spaces, also wäre es falsch, auf andere Plattformen zu wechseln, die von Minderheiten als Safe Space genutzt werden. Der geringe Gefahr, dass „uns“ was Schlimmes passiert, weil unsere Daten missbraucht werden, kann durch entsprechende Unterstützung und Medienkompetenz weiter minimiert werden.

Also bleibe ich bei Facebook und Co und werde mich dafür einsetzen, dass diese problematischen Normen dort weniger präsent sind. Allerdings nutze ich auch neue Netzwerke (z.B. Mastodon statt Twitter/Facebook), weil man an Facebooks Grundproblemen nur bedingt etwas ändern kann.

Mein Mastodon-Profil: http://norden.social/@fihu

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