Das Handy von heute

…fĂĽr Internetleute scheint es da nur das iPhone zu geben. Daneben noch ein paar Telefone mit Android-Betriebssytem, die guten alten Blackberries und natĂĽrlich Nokia. Alles andere scheint nur ein Telefon zu sein, auch wenn Twitter, Facebook, Internetbrowser und Co. auf dem Telefon von Haus aus installiert sind.

Ich telefoniere und internette seit bald einem Jahr mit einem der ersten Nokia Touchscreen-Handys, ein 5800 Xpressmusic, und bin eigentlich damit sehr zufrieden. Damit ich meine Internetsachen damit machen kann, habe ich mir ein paar „Apps“ (auch bei Nokia heiĂźen die so, nur der „App Store“ heiĂźt „Ovi Store„) kaufen mĂĽssen. Es gibt von Nokia mittlerweile fĂĽr fast alle Internetsachen eigene Apps (Internet surfen, Email, Chatten, Twitter/Facebook/MySpace, Bilder hochladen, Karten/Navigation), allerdings sind die Hauslösung bei weitem nicht so gut, wie andere Lösungen. FĂĽr Facebook benutze ich deren abgespeckte Mobil-Webseite im normalen Nokia-Browser. Genauso fĂĽr Ebay, Flickr und andere. FĂĽr alles andere funktioniert der Opera Mini-Browser sehr gut, der groĂźe Webseiten fĂĽrs Handy verkleinert.
Emails lese und schreibe ich über ProfilMail ($27,99), der Nokiamail-Client stürzt bei mir ständig ab und ProfiMail läuft perfekt mit Googlemail zusammen und bietet die beste Nokia-Touchscreen-Unterstützung. Fürs Navigieren bietet Nokia ihr Ovi Maps nun kostenlos an – ich habe mich damit ein paar Mal zu Fuß durch Hamburg, Köln und Berlin leiten lassen – funktioniert super. Ansonsten habe ich Google Maps, das ist ebenfalls komplett kostenlos, kann aber nicht richtig navigieren.
Mit Slick habe ich ein hervorragendes IM-Programm, welches neben ICQ und GoogleTalk auch den Facebook-Chat unterstĂĽtzt (kostenlos).
Die restliche Online-Kommunikation läuft fĂĽr mich dann ĂĽber Twitter, wofĂĽr ich Gravity (€9,45) benutze,  den mit Abstand besten Client fĂĽr Symbian-Handys und fĂĽr andere Handys eventuell auch. Per Gravity kann ich mehrere Twitter-Accounts verwalten, Fotos hochladen, URLs kĂĽrzen, Twitter-Listen und -Follower verwalten, Suchen und Suchen abonnieren, Geo-Informationen verschicken, … – zusätzlich unterstĂĽtzt Gravity auch noch Facebook, Google Reader und Foursquare, mit sämtlichen dort sinnvollen Features. FĂĽr Last.fm habe ich einen kostenlosen Client, Mobbler, der meine gehörten MP3s „scrobbelt“ und auch Last-FM-Radio spielen kann.
Schließlich benutze ich memotoo, eine Sync-Webseite, die mein Adressbuch zwischen Googlemail und dem Handy abgleichen kann. Meine Kalender zwischen Handy, Google Kalender und diversen Web-Kalendern im iCal-Format (bspw. WM-Spielplan oder die bei Last-fm eingetragenen Konzerte) abgleichen kann. Meine SMS und Notizen dort speichert. Als mein Handy letztes Jahr komplett gelöscht von der Reparatur wiederkam, hatte ich dadurch innerhalb von 2 Minuten mein Telefonbuch und alles andere wieder drauf.
Fotos und so weiter sind alle auf der Speicherkarte im Handy, so dass ich sie alle sicher habe, solange nicht das komplette Handy verschwindet.

So sieht es also mein Handy-Nutzungsprofil aus – und alles ohne Computer. Den brauche ich nur um MP3s auf die Speicherkarte zu laden.
Einen Handy-Vertrag habe ich nicht. Ich bin seit ein paar Jahren bei Simyo, telefoniere für vielleicht 5€ im Monat und habe daneben noch ein Datenpaket von 1GB, was nochmal €9,99 kostet. Das Telefon habe ich letztes Jahr für etwa 300€ gekauft. Ein etwa vergleichbarer Handy-Vertrag, wo ich das Handy für 1€ bekommen hätte, aber für 24 Monate gebunden wäre kostet dank dieser Internet-Option (1GB nicht gedrosselt) 45€ im Monat + Telefongebühren (die mindestens doppelt so hoch wären).

Warum schreibe ich das eigentlich?
Weil momentan wieder einmal verdammt viel Bewegung im Handymarkt ist. Ich bräuchte eigentlich kein neues Handy, das schrieb ich schon da oben, aber die Gelegenheit ist schon recht günstig. Gerade hat O2 einen sehr interessanten Datentarif vorgestellt und ich bin sehr verlockt, wieder in einen Vertrag zu wechseln (O2O hat auch keine Vertragslaufzeit). Außerdem kommt bald ein neues Nokiahandy raus, welches die Nachteile meines 5800xm ausbügeln könnte.

Dieses Handy ist das Nokia N8. Es ist gar nicht mal so viel anders als mein jetziges Touchscreen-Handy, wurde aber in ein paar entscheidenden Punkten verbessert:
Wichtigster Punkt ist das neue Betriebssystem Symbian^3 – auf dem 5800 läuft noch Symbian S60 v5, was auch Symbian^1 entspricht. Dies ist Nokia oder Symbians erster Versuch, ein Nur-Touchscreen-Handy zu bauen und das merkt man leider. Ich habe schon einigen Leuten von meinen Eindrücken vom Touchscreen erzählt und der Grundtenor ist ganz einfach: ich komme damit gut zurecht, aber auch nur, weil ich schon vorher ein Nokiahandy hatte. Dieses S60 v5 ist nämlich nur das alte S60 v3 – nur ohne Tasten. Trotzdem müssen fast alle Menüs, Listen und Icons wie mit einem Tastenhandy ausgewählt werden. Erst seit dem letzten Update kann man Listen und Menüs bewegen, ohne mit dem Stift auf dem Scrollbalken rumzuwischen. Außerdem ist es nicht besonders schnell und mehr als 6 oder 7 Programme gleichzeitig sollte man nicht öffnen. MP3-Player, Internetbrowser und Twitterclient gleichzeitig laufen lassen und man kann sich auf Wartezeiten gefasst machen. Bei neueren S60v5-Handies ist das besser geworden, aber auch noch nicht perfekt.

Mit Symbian^3 soll das nun wesentlich besser werden. Das System soll sich wie ein Touchscreen-System bedienen lassen können und alles läuft wesentlich flüssiger. Das kann man auf ersten Videos schon sehen, auch wenn es manchmal noch hakelt.
Dann bringt das N8 die bisher beste Nokia-Kamera mit: 12 Megapixel auf einem CMOS-Chip, der größer ist als der manch einer Kompaktkamera. Dazu ein echter Xenon-Blitz und Videoaufnahme in HD. 16GB interner Speicher und ein Speicherkartenplatz für weitere 32 GB bieten genug Platz für viele, viele Videos.
Ferner soll dank AMOLED-Display auch die Akkulaufzeit erheblich verbessert worden sein und dank eines starken Grafikprozessors sehen 3D-Spiele sehr gut aus und laufen flĂĽssig.
Das N8 soll im September oder schon im August auf den Markt kommen und dann um die 400€ kosten.

RIESEN-Vorteil auch für das Nokia: ich kann meine Speicherkarte einfach einstecken, meine Programm wieder runterladen und so weitermachen wie vorher. Symbian^3 soll komplett rückwärtskompatibel sein – höchstwahrscheinlich könnte ich sogar meine Einstellungen auf der Speicherkarte sichern und beim N8 einfach importieren.

Aber Blick ĂĽber den finnischen Tellerrand:
Von Google gibt es seit ein paar Jahren das Android-Betriebssystem und diverse Hersteller bringen Handys damit heraus. Auf der Re:publica haben bestimmt 75% der Leute ein iPhone, aber der GroĂźteil der Minderheit hat dann ein Android-Handy. Bei einem Wechsel von Nokia zu Android mĂĽsste ich mir dann alle Programm neu suchen, aber fĂĽr Androids gibt es auch einen „App Store“ und auch zehntausende Apps, so dass ich fĂĽr alles einen Ersatz finden wĂĽrde. Besser noch: Obwohl die Androids so neu sind (wie auch das iPhone), sind sie zweite Wahl, wenn Programme fĂĽr Handys geschrieben werden – auf jeden Fall noch vor Nokia, Blackberry und Co. AuĂźerdem sind die ganzen Googleservices perfekt ins Handy integriert, so dass ich mir den speziellen Mailclient und die Kalendersynchronisation wohl sparen könnte.

Die Nachteile: das Umstellen auf ein neues Betriebssytem und halt nicht *das* perfekte Handy. Alle Androidhandys haben gemeinsam, dass ihre Akkulaufzeit eher schlecht ist (schlimmer als mein Nokia) und dass das Betriebsystem bei weitem noch nicht perfekt ist. DafĂĽr erscheinen fleissig Updates (wenn man das richtige Handy hat) und Internet usw. machen auf Androids richtig SpaĂź.
FĂĽr Googlemaps gibt es jetzt auch kostenlose Navigation und per deutscher Spracheingabe darf man inzwischen auch suchen. Eine automatische Sprach-Ăśbersetzung und das Ăśbersetzen von fremdsprachigen Texten per Handyfoto soll kommen.


Das vermutlich beste und schnellste Androidhandy kommt momentan von Google selber: das Nexus One wird momentan über Vodafone vertrieben, während es in den USA bisher Google selber machte. Der Vorteil des Googlephones: rasend schnell, da das Betriebssystem maßgeschneidert ist und auch die beste Akkulaufzeit. Eigentlich wird es von HTC gebaut und kann auch mit ein paar Verbesserungen als HTC Desire gekauft werden. Auf dem Desire läuft allerdings ein von HTC angepasstes Android, was dann hübscher und benutzungsfreundlicher sein soll, dafür aber wieder nicht so schnell. Ein weiterer Vorteil des Nexus One: durch die Google-Nähe bekommt es die Betriebssystem-Updates sehr schnell, während die HTC-Handys länger auf ihr angepasstes Android warten müssen – unter Umständen ein halbes Jahr.

Bislang nur mit einem Android-Modell ist SonyEricsson am Markt vertreten. Das X10 (es gibt auch noch 2 kleine Klone, das X10 mini und das X10 mini pro) hat ein riesiges 4-Zoll-Display und die bisher beste Kamera eines Android-Handys. Es bringt auch die meisten Fotofunktionen mit. Auf dem X10 läuft wieder eine angepasste Android-Version, die meiner Meinung nach am besten aussieht und 2 interessante Neuerungen mitbringt: Timescape und Mediascape. Timescape ersetzt den bekannten Anrufverlauf und stellt Kommunikations-Ereignisse in einer Art Zeitstrahl dar. Da alle Kontakte mit Facebook, Twitter und StudiVZ verknüpft werden können, werden also nicht nur SMS und Anrufe dort gezeigt, sondern auch Emails, Buschfunk- und Facebook-Nachrichten. Es kann natürlich auch direkt aus Timescape auf eine Nachricht geantwortet werden.
Mediascape ist so ähnlich, aber für Fotos, Videos und Musik. Es ersetzt die Galerie und bietet Zugriff auf die letzten Medien. Online-Galerien von Flickr und Facebook können auch eingebunden oder gleich von dort befüllt werden. Das X10 ist zudem in der Lage, Personen auf Fotos zu erkennen und dem Adressbuch zuzuordnen. Da die Kamera recht gut ist, lohnt es sich auch, das Handy für mehr als nur Schnappschüsse zu gebrauchen.
Der Nachteil: durch die große Anpassung läuft nur eine sehr alte Android-Version auf dem X10: Android 1.6 – aktuell ist bereits Android 2.2 und den Upgrade auf immerhin 2.1 hat SonyEricsson für irgendwann Ende 2010 angekündigt. Das bedeutet, dass einige Apps nicht auf dem X10 laufen werden, bis es nicht auf mindestens auf 2.1 aktualisiert wurde.
Trotzdem ist es eigentlich mein Favorit unter den Androids.

Der neben HTC bedeutendste Android-Entwickler ist Motorola. In den USA ist das Motorola Droid eines der meistverkauften Android-Handy. Hierzulande ist es als Motorola Milestone erhältlich und bietet neben dem flachen Gehäuse und ebenfalls sehr großen Display eine ausschiebbare Tastatur. Das Milestone ist allerdings nicht mein Moto-Favorit – das ist das Milestone XT720. Dieses lässt die Tastatur des normalen Milestone weg und bringt dafür eine 8-Megapixel-Kamera mit Xenon-Blitz mit, das einzige Android-Handy bisher mit einem echten Fotoblitz. Außerdem ist Motorola sehr schnell, wenn es um Betriebssystem-Updates geht und beide Milestones werden schleunigst Android 2.2 bekommen. Das XT720-Design mit diesem kleinen Buckel am Rand gefällt mir außerdem sehr gut.

Nicht wirklich unter ferner liefen kommt dann Samsung. In Deutschland sind bereits 2 oder 3 Samsung-Handys mit Android-Betriebssysteme auf dem Markt und alle wurden ziemlich gut verkauft.
Ende Juni erscheint nun das neue Samsung-Android-Flaggschiff , das Samsung Galaxy S. Vorzeigemerkmal dieses Handy ist das riesige Super-AMOLED-Display, welches momentan das beste Handydisplay überhaupt sein dürfte (nur das neue iPhone 4 ist noch schärfer, aber Bilder sehen auf dem Samsung besser aus). Daneben ist das Gehäuse zwar komplett aus Plastik, aber sehr stabil und nur 9,9mm dick. Die Kamera macht die Samsung-typisch guten Fotos und kann auch HD-Filme aufzeichnen – leider ist überhaupt kein Blitz im Handy, nicht mal eine LED.

. . .

So sieht es momentan fĂĽr mich aus. Ich habe meine 5 Favoriten, aber das letzte Wörtchen ist noch längst nicht gesprochen. Eigentlich könnte jede Woche ein neues Handy vorgestellt werden und wenn das iPhone nicht so unverschämt teuer wäre, wäre es auch ein ganz heiĂźer Kandidat. Und bis zu meinem Geburtstag im September ist es ja auch noch ein wenig hin, vielleicht gibt es bis dahin schon ein Nokia N9 oder ein Nexus Two… ich muss eh noch warten. Und Tee trinken.

(Sorry fĂĽr den langen Text. ;))

5 Replies to “Das Handy von heute”

  1. Ich bin ziemlich starker Symbian Verfechter. Und GerĂĽchten zufolge soll Samsung ende Juli schon einen i8910HD Nachfolger mit Symbian^3 rausbringen – vielleicht wäre das ja noch einen Blick wert.
    Android scheint ja ganz nett zu sein. Aber die Google-Connection lässt mich dann doch immer zurück schrecken

  2. Ende Juli?! Das wäre wirklich verdammt nett und könnte ein verdammt gutes Fon werden. Aber ob Samsung noch wieder was mit Symbian macht, wo sie doch nun eher Bada und Android pushen sollten??

  3. Alles was ich finden konnte sagt, dass sie die ersten am Markt mit einem Sybian^3 Gerät sein wollen – und um das zu schaffen sollte das wohl Ende Juli auf den Markt bringen, da das N8 angeblich Anfang August kommt

  4. Hmm, ich warte mal ab wie sich die Preise des iPhones 3gs entwickeln. Sollte ja eigentlich wesentlich gĂĽnstiger werden. Das neue iPhone ist leider so oder so viel viel zu teuer!

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