3D-Kinos in Bremen

So… mit dem Angucken von Avatar am letzten Freitag habe ich nun alle drei 3D-Kinovarianten in Bremen durch. 3D-Kinovarianten, weil es in Bremen neben drei verschiedenen Multiplex-Kinos mit 3D-Angeboten auch drei verschiedene 3D-Projektions-Möglichkeiten gibt. An Kinos hätten wir hier das Cinemaxx am Hauptbahnhof, das Cinespace in der Waterfront und das Cinestar am Weserpark.
Als altes IMAX-Kino ist das Cinespace natürlich Vorreiter in Sachen 3D-Kino, während Cinemaxx und Cinespace „nur“ nachgerüstet wurden.

In Bremen werden nun folgende drei 3D-Projektionsverfahren angeboten: Real-D im Cinemaxx (als MaxXimum 3D) und Cinespace (als FirstStar 3D) und XpanD und „3-Dig“ (ich denke, das ist ein Eigenname, ehemals IMAX-3D) im Cinespace (Link). So und nunmal erklärt, was da so der Unterschied ist (laienhaft, wie ich)…

Update 23.12.09: Ein Mitarbeiter des Cinespace hat mir eine Email geschrieben und die 3D-Verfahren dort nochmal genauer erklärt. Habe die Techniksachen also nochmal aktualisiert.

Bei Real-D, sowie bei 3-Dig wird das Bild digital auf die Leinwand projiziert, die unterschiedlichen Bilder für das linke und das rechte Auge mit unterschiedlichen Polarisationen. Die „3D-Brille“ hat dann dementsprechend unterschiedlich polarisierte Gläser, so dass man mit dem linken Auge nur das Bild für das linke Auge sehen kann und rechts nur rechts. Soweit die Technik, die Bilder werden also vom Projektor durch polarisiertes Glas geschickt, dadurch verändert, prallen von der Leinwand ab und landen dann quasi zurück-polarisiert auf euren Sehnerven.
Bei Real-D sind die Gläser dabei „zirkular“ polarisiert, beim alten IMAX-3D waren sie noch horizontal und vertikal polarisiert, was beim Kopfneigen zum Ausblenden des Bildes führte. Mit zirkularen Brillen passiert das nicht. Ich bin mir nicht sicher, ob die Brillen vom 3-Dig auch noch nur in eine Richtung polarisiert sind, aber da das die ganz alten IMAX-Brillen zu sein scheinen, ist das noch möglich. Bei beiden Verfahren werden die Bilder für links und rechts gleichzeitig projiziert, man kann aber immer nur für jedes Auge eins sehen.
Update (23.12.09): Auch im 3-Dig wird zirkular polarisiert projiziert, das Verfahren ist also identisch zum Real-D, nur die Brillen sehen anders aus/sind größer. Vom IMAX ist auch nur noch der Saal und die großartige Leinwand vorhanden. Die Technik wurde auf 2 Digitalprojektoren mit jeweils 6000 Watt Lichtleistung umgestellt.

Bei XpanD wird der Film in Halbzeilen projiziert, also auch für beide Augen gleichzeitig, aber immer nur jede zweite Zeile für ein Auge, dann die anderen Zeilen fürs andere Auge, dann wieder die fürs erste usw. Fürs räumliche Sehen trägt man eine „aktive“ 3D-Brille, d.h. da fällt nicht nur das Licht durch, sondern die blendet auch noch jeweils ein Auge ab, damit das andere Auge stattdessen das für sich bestimmte Bild sehen kann. Weil also ein Auge immer zu ist, heißt das Verfahren auch LCD-Shutter, weil die Gläser aus Flüssigkristall-Scheiben bestehen.
Bei soviel An und Aus flackert es natürlich und deswegen muss alles ganz schnell passieren, damit das Auge nichts vom Flimmern merkt. Damit die Bilder schneller auf der Leinwand landen, werden sie darum quasi nur zur Hälfte projiziert.
Angeblich soll das bei XpanD mit 120 Hertz passieren, weil 2 Bilder für ein 3D-Bild benötigt werden, sieht man durch die Shutter-Brille dann den Film mit 60 Hertz, was eigentlich noch ausreichend flimmerfrei ist.
Update (23.12.09): Im Cinespace Kino 8 wird XpanD eingesetzt, aber anscheinend nicht „interlaced“, also wird tatsächlich immer das komplette Bild für jedes Auge gezeigt. Das sah für mich im Kino anders aus, deswegen frag ich da nochmal nach. Jedenfalls wird bei XpanD mit 48/96 Hertz projiziert – das bedeutet, dass 96 Bilder pro Sekunde gezeigt werden. Jedes Bild von denen allerdings wird doppelt gezeigt – für jedes Auge einmal – deswegen sind es nur 48 echte Bilder pro Sekunde. Der Vorteil: ruhiger als normaler Film (der immer mit 24 Bilder pro Sekunde gezeigt wird) und deutlichere Abtrennung der beiden Augen, aber durch die Brille nochmal dunkler als die anderen Verfahren.

Einen großen Haken haben alle Verfahren: das Bild wird durch die Projektion und die 3D-Brille erheblich dunkler – polarisierte Gläser (auch die LCD-Scheiben der Shutterbrille) sind wie Sonnenbrillen.

So, Ende der Technik.

Irgendwann in diesem Jahr habe ich Ice Age 3 im 3-Dig gesehen, das ist das ehemalige IMAX-Kino im Cinespace.
Zu Beginn bekommt man die riesige IMAX-Brille geliehen, die man dann auch wieder zurückgeben muss. Das Kino selber ist natürlich großartig, sehr steile Reihen und eine leichte Wölbung, so dass man auch am Rand nach vorne gucken muss. Die Leinwand ist gigantisch, über 600m^2 – die größten Säle im Cinemaxx haben eine gerade mal halb so große Leinwand. Man hat also fast nur Leinwand vor sich – die ist allerdings auch quadratisch, der Film wird aber nur über die volle Breite gezeigt. Es mag an den Brillen gelegen haben (vielleicht doch nicht zirkular polarisiert), aber mir kam das Bild im 3Dig am unruhigsten vor… besonders halt am Rand, da waren Sachen oft nicht im Fokus und man konnte deutlich die unterschiedlichen Bilder sehen.
Update (23.12.09): Die Brillen sind auch zirkular polarisiert, die „Geister“ (siehe Kommentare) hängen dann vermutlich stark von den Filmen ab. Übrigens wird noch knapp 3/4 der Leinwand benutzt, also hat man mit etwa 400m^2 die größte Leinwand Bremens.

Bei Oben im Cinemaxx (Real-D, im Cinestar war ich noch nicht, aber da ist das Verfahren das gleiche) war es ähnlich, aber der Effekt war nicht ganz so schlimm. Dafür saß ich dort auf für Kinobesuche „normalen“ Plätzen, also möglichst zentriert und weit hinten – was bei der kleineren Leinwand aber doof war. Der Film war immer noch nett und mit guten 3D-Effekten, aber halt so klein irgendwo da vorne…
Update (23.12.09): im Cinemaxx wird mit 4K-Projektoren gearbeitet (siehe auch in den Kommentaren & deren Werbung), allerdings bedeutet das für 3D-Film nur, dass ein Projektor 2*2K projiziert. Ich habe im Cinemaxx auch schon normale digitale Filme gesehen… weiß aber nicht/glaube aber nicht, dass die mit 4K projiziert wurden.
Zur Erklärung: 4K gibt an, dass das digitale Bild eine Auflösung von 4000 Pixeln in der Breite hat. 2K hat logischerweise 2000 Pixel, was also in etwa dem vom Full-HD-Fernsehen bekannten 1080p entspricht. Warum im Kino nun aber die Breite des Bildes als Maßstab herhalten muss, während sich das HD-Fernsehpublikum gerade mal an die Höhe (720 pixel/1080 pixel) gewöhnt hat, ist mir schleierhaft. Vermutlich sind das mal wieder 2 Welten (Kino vs. Computerwelt, wo die Flachbildschirme ja herkommen), die da ihre eigenen Süppchen kochen.

Avatar als Xpand im Cinespace (das ist dort Kino 8 ) schließlich hatte meiner Meinung nach das beste Bild – Schlieren oder so was habe ich nur sehr selten bemerkt und das Flackern hat mich auch nicht gestört. Jedenfalls habe ich nichts gemerkt und ich kann sonst an einem 72Hz-Monitor nicht ruhig arbeiten.
Dafür war mir das Bild aber viel zu dunkel. In den anderen Kinos war das nicht so schlimm – wenn man die Brille abgenommen hat, konnte man hier das Verfahren gut sehen, aber gleichzeitig auch, wie hell der Film ohne die Brille ist.
Dass ich weniger Schlieren gesehen hab, kann auch am Film liegen, weil Avatar generell nicht so viele Dinge aus dem Bild rausschießen lässt.

Welches hat mir nun also am Besten gefallen… kann ich nicht sagen. Ich würde nochmal in jedes Kino gehen.. Avatar würde ich gerne nochmal in heller im 3-Dig sehen und irgendeinen 3D-übertreibenden Film mit den Shutterbrillen. Und im Cinemaxx… tja, gerne nochmal weiter vorne. Generell tendiere ich allerdings zum 3-Dig, weil da die Leinwand einfach so riesengroß ist.
Update (23.12.09):
An meinem Fazit ändert sicht nichts. Die Leinwand im 3-Dig machte Ice Age 3 trotz der Schlieren zu einem Erlebnis, so dass ich mir da wohl nochmal Avatar ansehen muss. 🙂

10 Antworten auf „3D-Kinos in Bremen“

  1. Es sollte noch bemerkt werden, dass das Cinespace auch aktive Shutterbrillen besitzt, jedoch nicht im 3dig kino. Ich finde den 3d-effekt in diesem 3d-dig-saal allerdings sehr enttäuschend da häufig geisterbilder entstehen und die sehr schön große Leinwand von den Filmen aufgrund des Formates nicht genutzt wird. Im Endeffekt ist somit die Leinwand der anderen Säle im Cinespace ungefähr gleichgroß und die Technik der aktiven Shutterbrillen ist einfach besser.

  2. @Kommentator: Hatte ich oben auch geschrieben, durch den langen Text und die diversen Markennamen ist das wohl etwas mißverständlich.
    Also: XpanD = 3D mit aktiven Shutterbrillen = Cinespace Kino 8.
    Cinespace 3Dig = altes IMAX-3D

    Ich denke, ich werde mir Avatar nochmal im 3Dig angucken und dann mal gucken, wie schlimm die Geister da sind.

  3. Ein „3DIG“-Verfahren gibt es nicht, der Saal heißt doch nur so. Es wird mit zwei Projektoren projiziert, mehr nicht.

    Die 4K-Projektion mit Polarisation im Cinemaxx hat mir schon ziemlich gut gefallen und schien mir etwas heller als im Cinespace zu sein.

  4. @Thomas: Richtig, „3Dig“ ist der Saalname, den sie statt IMAX jetzt benutzen. Das ist somit wohl das alte IMAX-Verfahren, das sie bloß nicht so nennen dürfen. Plus digitale Projektion.
    Das 4K im Cinemaxx dürfte doch dem 2K DLP im Cinespace entsprechen, weil die 4K = 2*2K-Bilder wg. 3D-Bild… oder?

  5. Zu „Warum im Kino nun aber die Breite des Bildes als Maßstab herhalten muss, während sich das HD-Fernsehpublikum gerade mal an die Höhe (720 pixel/1080 pixel) gewöhnt hat, ist mir schleierhaft.“:

    Weil nur die Breite konstant ist (nämlich 4096 bzw. halbiert 2048 Pixel). Die Höhe hängt ja noch vom Kantenverhältnis, also vom Bildformat ab. Auf http://www.celco.com/FormatResolutionTable4K.asp steht eine Tabelle mit den gängigsten Auflösungen. Man sieht: Es gibt sehr viele Bildformate.

    Wenn man Kinofilme im Fernsehen oder auf DVD unbeschnitten zeigt, ändert sich daran zwar nichts, aber die meisten anderen Produktionen haben dort ein festes Format nämlich 16:9. In nicht-anamorphem NTSC (altes US-Fernsehen) hat ein 16:9-Bild 360 Zeilen. HD-Auflösungen sind 2×360=720 Zeilen und 3×360=1080 Zeilen. Daher kommen diese Zahlen. Die Spalten errechnen sich einfach durch 16:9 bei quadratischen Pixeln (also 1920 bei 3x).

    Ginge es nach europäischer Fernsehauflösung wäre alles viel cooler. Dort hat ein 16:9-Bild in anamorphem PAL nämlich 576 Zeilen. 2x-Auflösung wäre dann 2048×1152, also genau ein 2K-Kino-Format. Das vom US-TV abstammende 1920×1080 (dort wie gesagt bereits 3x) paßt aber leider so gar nicht zu den Kinoformaten.

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