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Opernbericht: Don Giovanni (SPOILER!)

Toll, auch wenn’s da manchmal Probleme gibt: Facebook.

Toll, auch wenn’s da machmal schlechte Schlagzeilen ob Verschwendungssucht oder merkwürdiger Abrechnungen oder so gibt: Theater (z.b. in Bremen)

Toll, wenn es richtig gemacht wird: Institutionen, die sich mutig ins Internet stürzen.

Richtig toll: das Bremer Theater, das bei Facebook 10 Plätze für die Generalprobe der Oper Don Giovanni verlost hat.
So einen hab ich nämlich gewonnen.

Also: genauergesagt hatte ich 2 Plätze gewonnen, aber letztendlich war ich dann doch alleine da. Lag aber nicht daran, dass das Stück fast 3 Stunden dauern sollte (+ Pause), nur Italienisch gesungen wurde und man halt… Oper, also alte Klamotten, Tänze und son Gedöns erwarten konnte.

Aber… weit gefehlt…

Ich hatte ja auch meine Bedenken, als ich bei Wikipedia gelesen habe, dass die Oper Don Giovanni fast 3 Stunden dauern würde…
Himmel, 3 Stunden klassische Musik? In Schloßkulisse? Mit diesen alten Kostümen, Rumgefächer der Hofdamen usw.

So in etwa:


Don Giovanni Stara Zagora Finale Primo bei Wikimedia

Stattdessen gabs in etwa so ein Bühnenbild wie man auf Edward Hopper’s Night Hawks sehen kann: ein Hotel mit einer Bar an einem Ende, 2 Zimmern im Obergeschoss und einer ausklappbaren Lounge auf der einen und einer Leinwand und einer Garage auf der anderen Seite. Damit man alles sehen konnte, wurde diese Kulisse während des Stücks mehrmals komplett gedreht – das hat dann auch Zigarettenreste und Bratwürstchen entfernt.

??

Ja, richtig, auf der Bühne wurde gequarzt und die Unterschicht sprang einmal stilecht aus der Mietgarage, stellte Bierkisten, Diskolichter und Holzkohlegrill auf und los ging die Party. Natürlich trugen die Schauspieler dann keine alten Kostüme, sondern weiße Anzüge, Bomberjacken und Bademäntel. :)

Statt Schwertkampf gab es blaue Bohnen.

Don Giovannis (italienisch für Don Juan) Diener Leporello trug statt einer Schriftrolle mit den Eroberungen seines Herren (1800 Stück, alleine 1003 in Spanien!) ein iPhone und hat aus der Präsentation der Damen eben genauso eine gemacht – ob mit Keynote oder Powerpoint konnte nicht geklärt werden. Die angebissene Birne (gähn, aber *zwinker*) beim Hochfahren der Präsentation lässt aber auf Ersteres schließen.

Was war dann noch original? Der Gesang auf jeden Fall, naja, auch nicht ganz, im Eifer der Gefechte haben die Schauspieler auch mal auf deutsch gesungen – passenderweise schaltete die Untertitelanzeige dann auf italienisch um.

Ja, richtig (#2), oben über der Bühne war ein Monitor angebracht, auf dem man die Story des Stückes verfolgen konnte.
Und die ist zwar über 300 Jahre alt aber ich fand sie trotzdem spannend. Vielleicht weil auch die Aufmachung so gut war und die Charaktere gut gespielt waren.

Das war mein erster Opernbesuch und ich hab mich wunderbar unterhalten gefühlt.
Irgendwie erinnerte es durch die Aufmachung eher an ein normales Musical und da wiederum passte die Musik nicht so ganz dazu. Ich habe die ganze Zeit normale “Songs” erwartet, aber das typische Strophe-Refrain-Schema gab es halt nicht. Eher nur Refrain. Oder so. Die Übersetzung war nun nicht so, dass man dem Gesang Wort für Wort folgen konnte, aber man hat gemerkt, dass sich sehr sehr viel wiederholt und es daneben auch so etwas wie Strophen gab.

Ich würde das gerne mit Baz Luhrmann’s Romeo und Julia vergleichen…
Wer mit diesem Stilmix dort nix anfangen konnte (und ich meine nicht “Der Film war scheisse wegen issen Frauenfilm” – und Ladies, andersrum genauso), der wird an dieser Opera-Aufführung auch keinen Spaß haben.

Für mich wars aber das erste Mal in der Oper und ich fand es klasse.

Vielen Dank und Großes Lob an das Bremer Theater, dass sie diese Aktion bei Facebook (passende Facebook-Kurzurl ;) ) gemacht haben!!

Update: auf der Homepage des Bremer Theaters gibt es jetzt auch Fotos.

6 Comments

  1. Anja wrote:

    Ach, das ist ja schön. Ich geh ja nun öfter mal in die Oper (allerdings in Hannover, nicht in Bremen), und es war eigentlich immer so, wie du beschrieben hast. Im Tannhäuser war die Kulisse eine Stadiontribüne und es wurde Golf gespielt (unsere Theorie: die zeitgemäße Art, sich zu duellieren). Und jetzt neulich im Rheingold war auch sowas – aber mir fällt es gerade nicht mehr ein. Alberich hatte jedenfalls ein Iron Maiden Shirt an, was einfach genial zur Rolle passte.

    Ich mag Oper – auch wenn’s mal länger dauert (das Rheingold geht knapp 3 Stunden und wird OHNE Pause aufgeführt!). Nur sehr teuer hier leider.

    AntwortenAntworten
    Montag, Februar 8, 2010 at 11:15 | Permalink
  2. Marius wrote:

    Ihr habt ja auch eine *richtige* Oper – hier kosten die besten Plätze auch “nur” 50€.
    So einmal im Monat und dann 25-30€ fände ich schon in Ordnung. Aber hier laufen ja auch nicht ständig Opern an.

    Ich würde mir Don Giovanni gerne nochmal in alt angucken, also mit Kostümen und Kulissen passend zu der Zeit. Mal gucken, vielleicht gibts da ja was auf DVD…

    AntwortenAntworten
    Montag, Februar 8, 2010 at 11:28 | Permalink
  3. Marius wrote:

    Hm, geguckt – die Ticketpreise für Rheingold in Hannover sind vergleichbar. Knapp 10€ mehr. :-/

    AntwortenAntworten
    Montag, Februar 8, 2010 at 11:30 | Permalink
  4. nils wrote:

    Da beneide ich Dich ja wirklich sehr! Sowas wollte ich mir auch mal angucken. Ich bin ja nicht bei Facebook, aber vielleicht ja ein Kieler Theater…?
    Was ich mich gefragt habe:
    Wenn die da ein Wort oder nur einen Buchstaben so ellenlang singen, wie tauch das dann auf dem Übersetzungsmonitor auf?
    in kurz oder in lahahahahahaaaaaaahaaaahaaang?

    AntwortenAntworten
    Dienstag, Februar 9, 2010 at 21:10 | Permalink
  5. Marius wrote:

    Eigentlich müsste es in Kiel ja auch ein ordentliches Theater geben. So, Landeshauptstadt ohne… ??

    Auf dem Monitor stand der Text ganz normal. Ohne laaahhahaaang. Und auch nur einmal, auch wenn der mehrmals wiederholt wurde.

    AntwortenAntworten
    Dienstag, Februar 9, 2010 at 21:26 | Permalink
  6. Wo findet man das passende Hemd für diesen Abend?
    Bei Sübatex.
    Schau einfach mal auf die Website.

    AntwortenAntworten
    Sonntag, Januar 2, 2011 at 10:57 | Permalink

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